3100 km über dem Meer

Samstag, 9.8.2009 - Samstag 15.8.2009

Vorwort

Manfred und ich hatten schon länger darüber geredet heuer eine ausgedehnte Motorradtour zu machen. Das Ziel war einige Zeit unklar, Datum ebenfalls. Am Ende entschieden wir uns für den Großraum Aostatal und den August.

Tag 0 - Freitag

Nachdem ich schon Mitte der Woche meine Gabelfederung auf Wilbers umbgestellt habe und einen neuen Michelin Pilot Power aufgezogen habe, gehts ans Packen. Zuerst dachte ich, ich komme mit dem Topcase alleine aus, nach einigem hin und her packte ich das ganze doch auf die Seitenkoffer wegen der Gewichtsverteilung, nahm noch einige Pullover mit und somit waren die Seitenkoffer dann auch gut gefüllt. Von mir aus kanns losgehen!

Tag 1 - Samstag

Es ist 4:30, der Wecker klingelt. Verschlafen mach ich mich ans Frühstück (wie immer Kaffee, Zigarette, diesmal auch einen Schinkentoast) und packe die Koffer aufs Bike. Nach dem in Wien noch günstigen auftanken warte ich kurz vor 6 am Westbahnhof auf Manfred, wir hatten uns dazu entschlossen einige Zeit zu sparen und mit dem Autoreisezug nach Innsbruck zu fahren. Den Fehler machen wir nie wieder, so eine 5 Stunden Bahnfahrt ist sehr öd, vor allem da die ÖBB auf komplett Nichtraucher umgestellt hat. Das Service im Speisewagon ist saulangsam, wir mussten eine halbe Stunde auf unseren KAffee warten obwohl nur ca. 10 Leute drin saßen. Endlich in Innsbruck angekommen machten wir uns über das Sellraintal auf über den Kühtaisattel, Pillerhöhe, Arlbergpass, Flexenpass bis zum Hochtannbergpass. Eigentlich wollten wir die komplette Silvrettagruppe bezwingen, starker Regen beendete dieses Vorhaben und wir fuhren nach einem Stop in Au Richtung Ladis zu unserem Quartier zurück. Da der Regen kurzfristig nachließ haben wir keinen Regenschutz angelegt - blöde Idee! Wir kamen pitschnass in Ladis, zum Glück gab es einen Heizraum wo wir unsere nassen Sachen trocknen konnten.

Tag 2 - Sonntag

Kein Regen mehr beim Frühstück, etwas feucht allerdings noch und kühl. Die Route führt uns über das Oberinntal in die Schweiz, durch das Unterengadin, über den Albulapass, Lenzerheide, an den Glarner Alpen vorbei zum Oberalppass, über den Gotthard, Nufenen Pass, Grimsel Pass, Sustenpass und wieder retour über den Oberalppass nach Sedrun ins Hotel Krützli. Der Oberalppass ist eine richtige Autobahn, ja schon fast eine richtige Rennstrecke, die auch an unseren Reifen Spuren hinterließ. Man könnte meinen wir waren auf einer Rennstrecke. Zum Hotel: recht nette Zimmer, typisch schweizerische, hohe Preise und nur mäßige Qualität. Auch das Bier aus der Privatbrauerei in Flims konnte uns nicht wirklich überzeugen, zudem sperrt die Bar um 10-11 Uhr abends, was uns noch öfter in diesem Urlaub passieren sollte.

Route

Albulapass

Oberalppass

Gotthard

Grimselpass

Sustenpass

Tag 3 - Montag

Der Wettergott scheint es nicht gut mit uns zu meinen, in der Nacht hat es wieder geregnet. Nachdem es aber aufklart sind wir guter Dinge und verlassen die Schweiz über den Lukmanierpass in Richtung Locarno zum Lago Maggiore. Das Wetter ist gut, auf der engen Seenstrasse gibt es viel Verkehr und die ersten Ärgernisse über die italienische Beschilderung keimen wieder hoch, Manfred's Navi spinnt sich vor allem in Kreisverkehren total aus und wir kehren des öfteren um. Die flachen Pässe in Richtung Domodossola und Biella sind auch recht nett, leider verpassen wir die Einflugschneise auf die Galeria Rosazza die angeblich nur für geübte Motorradfahrer ist. Kurz nach Biella schwingt das Wetter wieder um, diesmal ziehen wir gleich das Regenzeug an - aber nur um es 15 km später wieder auszuziehen. Nach dem Zeitverlusten durch Navi und Regen fahren wir von Verres bis Aosta auf der Autobahn, von dort aus wieder Richtung Norden ind die Schweiz nach Burg St. Pierre wo wir am Vortag online ein Quartier gebucht hatten. Am großen St. Bernhard Pass setzt wieder Regen ein und wir entscheiden uns durch den Tunnel zu fahren. Kostenpunkt: 13,90 pro Mann und Nase für einen blöden knapp 6 km langen Tunnel. Im Hotel kommen wir drauf dass wir die französische Schweiz erwischt haben (hätten wir aufgrund des Ortsnamens kennen sollen, aber wer denkt dran wenn er ca. 20 km von Italien entfernt in der Schweiz ist?). Die Bedienung ist französisch hochnäsig und das Bier kostet 4 €, dazu kommt noch dass Hotel und Restaurant getrennt sind, und die Bar um 23:00 schliesst. Ich hasse Franzosen! Erst nachdem wir deklariert haben dass wir aus Österreich sind wird man etwas freundlicher, spricht uns aber immer noch auf französisch an obwohl der Kellner Englisch auch kann.

Route

Lumanier Pass

Lago Maggiore

Panoramica Zegna

Tag 4 - Dienstag

Das Frühstück der Franzosen ist ein Witz! Für 14 SFR bekommen wir komisches weisses Brot, Toastbrot, etwas Schinken, Gelee statt Marmelade und KAffee aus dem Automaten. Wir beschliessen Ihnen noch einen Tag zu geben, suchen uns aber für den nächsten ein anderes Quartier an der Strecke. Heute ist unser "Ausruhetag" an dem wir uns mal nicht viel und keine bestimmten Strecken außer der Hauptrichtung Rückseite des Mont Blanc vorgenommen haben. Diesmal fahren wir übern den großen St. Bernhard Pass, durch Aosta durch, und über die Bundesstrasse nach Courmayeur. Das Wetter ist fantastisch und wird immer wärmer. Wir versuchen in einigen Nebentälern (Val Veny und Val Ferret) einen Blick auf den Mont Blanc zu erwischen und fahren wieder retour, dabei nehmen wir den Col St. Carlo mit und sehen uns auch Val Grisenche an. In Arvier finden wir ein nettes, nicht zu teures Hotel und reservieren die Zimmer. Die Inhaberin ist ziemlich fesch, tätowiert und sehr freundlich, spricht sofort in Englisch mit uns. Eine Wohltat! Am Abend in Burg St. Pierre zeigen 2 € Trinkgeld Wirkung und die Inhaberin des Restaurants gibt uns vor dem Zusperren noch 2 Bier und vergisst sie zu verrechnen *grins*

Tour

Großer St. Bernhard Pass

Courmayeur

Val Veny

Val Ferret

Val Grisenche

Burg bei Villeneuve

Tag 5 - Mittwoch

Wir verlassen die französische Schweiz und laden unsere Koffer in Arvier ab, nach einem guten italienischen Kaffee fahren wir auf die Route des Grande Alpes nach Frankreich. Am Weg dorthin nehmen wir wieder den Col St. Carlo und den kleinen St. Bernhard Pass mit, nach Val d'Isere geht es auf den beeindruckenden Col d'Iseran (2762 m) und zum Col du Mt. Cenis, der einen herrlich blauen Stausee hat. Dort sehen wir auch zum ersten mal die Rennleitung (französische Polizei), die Radarmessungen mitten Berg macht - ebenfalls mit Bikes unterwegs. Aber uns erwischen sie nicht, wir fahren brav mit 40 weg, um nach der zweiten Kurve das Gas wieder aufzudrehen. Am Abend schmeissen wir uns eine Pizza ins Gesicht, trinken ein paar Biere in Arvier und geniessen nach Barschluss bei lauen 20° draussen eine Flasche Rotwein.

Route

Arvier

Kleiner St. Bernhard Pass

Val d'Isere & Col d'Iseran

Col du Mt. Cenis

Tag 6 - Donnerstag

Unsere Frühstücke sind durch die Bank sehr bemitleidenswert, der Kaffee ist dünn und so richtig viel Angebot gibt es auch nicht. Wir verlassen Italien, nehmen ein Stück Frankreich mit (Kleiner St. Bernhard, Cormet de Roselend, Col des Saisies) und schauen uns in Chamonix den Mont Blanc von der richtigen Seite aus an. Ich war schon einmal dort und mit der Seilbahn am Co du Midi, aber was die dort umgebaut haben ist ein Wahnsinn, man erkennt nichts mehr wieder. Am Col de Montets treffen wir zufällig Heimo, einen Immobilienmakler aus Wien, der mal kurz seine Wohnung in Saint Tropez besucht hat und sich nun mit seinem A4 gekonnt die Kurven über die französischen Berge hintunterschmeisst. Aufgrund des Kennzeichens ergibt sich bei einer Pause ein kurzer netter Plausch bei dem wir übers Motorradfahren und so weiter etwas fachsimpeln. Auf dem Col de la Forclaz machen wir eine Kaffeepause und erleben die nächste Überraschung: Unsere Kellnerin heisst Stefanie und kommt ebenfalls aus Wien, macht dort im Cafe grade 2 Monate ein Praktikum. Man sieht ihr an dass sie die Franzosen auch nicht mag ("Gott sei Dank nur eine Woche mehr hier..."). An Martigny vorbei zieht es uns über den Col de la Croix (macht seinem Namen alle Ehre, bei den Bodenwellen haut's einem echt das Kreuz raus!) und den Col des Mosses. Am Jaunpass sind wir endlich glücklich wieder deutsch zu lesen und fahren Richtung Thunersee um ein Quartier zu suchen. Von dort aus (Hotel Blümlisalp in Goldliwil) haben wir eine schöne Aussicht auf den See und auf Spiez, bekommen noch einige Tips vom Kellner für Motorradstrecken am nächsten Tag und geniessen unsere Biere und das Essen.

Tour

Mont Blanc

Tag 7- Freitag

Unser letzter ganzer Tag um Pässe zu erobern. Das Frühstück wäre echt toll, würde uns das Personal alles in richtiger Reihenfolge servieren. Zuerst kommt Kaffee, Hörnli und Brot stehen schon am Tisch, danach kommt Marmelade. Nachdem wir schon etwas verdückt haben kommt die Schinken/Käseplatte und zu guter Letzt das Frühstücksi und der Orangensaft. Naja, die Chinesen essen auch die Suppe am Schluss. Wir folgen den Tips (Glaubenbergpass, Glaubenbüelenpass, Brünigpass), und begeben uns wieder auf altbekanntes Terrain, den Grimsel. Diesmal fahren wir aber über den Furkapass retour, wieder den Oberalppass (diesmal mit Fotobeleg des Reifens), weiter gehts über die Bundesstrasse Richtung Chur. Allerdings biegen wir in Reichenau ab, fahren Richtung Thusis (ich hab leider keine Tussis in Thusis gesehen) und nehmen die alte Bundesstrasse nach Splügen um den Splügenpass zu bewältigen. Der ist echt nichts für Sonntagsfahrer, eine Kehre enger als die andere, teilweise einspurig und steil bergauf sowie bergab. Die Mühe lohnt sich aber, der Splügenpass ist sensationell. Leider ist ziemlich viel Verkehr und somit zieht sich die Anfahrt zum Malojapass wie ein Strudelteig. Am späteren Abend bezwingen wir noch einen Teil des Julierpass um im Hotel Solaris in Bivio einzuchecken. Viele Biker dort, nett, gutes Essen, Livemusik, aber auch wieder mit einer Bar die um 23:00 die Pforten schliesst.

Tour

Glaubenbüelenpass

Oberalppass

Tag 8 - Samstag

Unser letzter Tag, wir stehen früher auf als die letzten Tage um ja nur rechtzeitig um 16:00 in Innsbruck zu sein, wo der Autoreisezug wieder auf uns wartet. Der Julierpass ist schnell hinter uns und MAnfred führt uns nach Davos, wo wir kurz seine Schwägerin besuchen und einen guten Kaffee bekommen. Nach der Pause rasen, äh, reisen wir weiter über den Flüelapass, Scouls, Martina, Grenze nach Östterreich, Oberinntal, Landeck, Kühtaisattel und kommen sehr pünktlich um 15:30 zum Bahnhof in Innsbruck. Dass die Bahnfahrt wieder öd wird brauche ich nicht zu erwähnen, schliesslich kommen wir um ca. 21:50 in Wien an und fahren endgültig nach Hause.

Tour

Eckdaten der Tour

Dauer
8 Tage
Kilometer
3100
bereiste Länder
4
Grenzübertritte
11
Literverbrauch an Bier
ca. 12 pro Person
und eine Flasche Rotwein
Reifenverschleiss

2 x Hinterreifen an 2 Bikes
(1x 3100 Km, 1x 4600 km Laufleistung)

Gute Frühstücke
2
unfreundliche Franzosen
4
Rennleitungssichtungen
4
Strafmandate
hoffentlich keines