Kroatische Adriaküste

Donnerstag, 20.5.2010 - Freitag 28.5.2010

Vorwort

Eigentlich sollte die Tour schon 2 Wochen früher stattfinden, wir mussten allerdings wegen den Wetterverhältnissen verschieben. Auch in der Woche wo es losgehen sollte war das Wetter nicht prickelnd da regnerisch, aber an der Küste von Kroatien sollte die Sonne scheinen - also fuhren wir los. Mein Mechaniker meinte mein Hinterreifen würde die 3.500 km nicht durchhalten - aber nachdem er noch zu gut zum Wechseln aussah entschied ich mich damit in den Urlaub zu fahren...
Die Tour ist übrigens bis auf die An- und Abreise aus/nach Österreich ziemlich genau die ADAC Karte "Kroatische Adriaküste".

Mit von der Partie sind diesmal: Manfred, Thomas und natürlich ich.

Tag 0 - Donnerstag

Die Koffer waren gepackt, und in Wien war das Wetter etwas trüb - als ich vom Büro nach Hause fuhr tröpfelte es sogar kurz. Zu Hause angekommen scheinte wieder die Sonne, also rein ins Leder und los! Leider wars wie immer in der Arbeit stresig und so kam ich eine halbe Stunde zu spät zum üblichen Treffpunkt. Bis in die Kalte Kuchl war uns der Wettergott wohl gesonnen, danach gabs im Wetterloch Wildalpen/Hieflau wie immer einige Regentropfen...ob es wohl in der Früh am Freitag besser wird? Wir stellten uns seelisch schon mal auf Regen ein.

Tag 1 - Freitag

Es wäre nicht Hieflau wenn es nicht wie vermutet regnen würde. Also hinein in die Regengwandln' und raus ins Nasse. Unsere Strecke geht über Erzberg, Gleisdorf, Bad Radkersburg (Grenze), Krapina, Richtung Zagreb und links vorbei runter nach Karlovac. Aufgrund des Regens am Tag davor zieht sich die Strecke in Slowenien und Kroatien etwas, die Strassen sind dreckig und voll von Kies. Die geplanten 450-500 km enden daher etwas frustriert gegen 22:00 im Hotel in Karlovac. Ohne Essen und nach 1-2 Bier gehts ins Bett und wir hoffen auf besseres Wetter am nächsten Tag.

Tag 2 - Samstag

In der Nacht hat es etwas geregnet, der Morgen sieht aber zuversichtlch aus. Kein Regen, nur mehr einige Wolken. Nach einer kleinen Irrfahrt dank des Navis durch Karlovac wird getankt und auf in Richtung Küste. Trotz des Lichtstreifs am Horizont erwischt uns ein paar Kilometer nach Karlovac wieder der Regen, also rein in die Regenhaut, und im Regen am Nationalpark Plitvicka Jezera vorbei. Am Ostarijska Vrata treffen wir zum ertsen Mal auf ein Stück Zeitgeschichte - oben am Berg wo wir eine kurze Rauchpause einlegen war bis 1995 ein Posten des Militärs, im Jugoslawienkrieg wurde dieser verteidigt und ist nun übersät mit Gräbern direkt neben der Strasse. Die bewölkte Stimmung trägt einiges zur gedrückten Stimmung bei und so fahren wir weiter - nur wenige Kilometer nach der Rast durchqueren wir einen Tunnel und finden uns an der Meeresseite wieder - plötzlich sind die Wolken verschwunden, es hat ca. 20° und die Sonne scheint. Sollte das nun die Wende sein? Wir legen sofort wieder eine Pause ein, ziehen die Regenhaut aus und fahren runter nach Karlobag, um die ersten Cevapi an einem Standl zu testen.
Weiter gings dann über die Jadranska Magistrala, ins Landesinnere über Benkovac zum Nationalpark Krka - wo wir ungeplanterweise eine Schleife fahren, dafür ein wunderschönes Platzerl an der Krka finden. Übrigens: Die Kilometerlange Gerade an Benkovac vorbei ist Zeitgeschichte Nummer zwei an diesem Tag - die Strasse ist umringt von zerschossenen, zerbombten Häusern der ethnischen Säuberungen im Jugoslawienkrieg - die Häuser sind teilweise noch im Rohbau und wurden einfach so wie sie sind stehengelassen. Nachdem es schon etwas spät ist und wir wieder über 400 km geplant hatten, gehts nicht weiter über Drnis, Knin und Sinj nach Split - wir fahren über Sibenik die Küste entlang bis nach Trogir wo wir unser Hotel suchen. Trogir ist ein nettes Städtchen mit gutem Essen - leider war in unserem Hotel bis 4:00 früh eine Party von der wir angeblich nicht viel hören sollten - die Lautstärke der Musik hielt uns trotzdem bis zum Ende wach. Einziger Trost: die echt feschen Kroatinnen die an uns vorbeistolziert sind während wir unser Bier genossen haben.

Was haben wir heute gelernt?

  1. Die Kroatischen Mädels schaun scharf aus und gehen nur top gestylt auf Parties
  2. Das Restaurant Fontana ist sehr zu empfehlen, vor allem bekommt man eine Runde Getränke auf Kosten des Hauses spendiert
  3. Vertraue nie darauf wenn die Hotelmanagerin sagt "sie werden von der Musik auf der Party nicht viel hören"

Karlobag


Kaffee an der Jadranska Magistrala

Abend in Trogir

Tag 3 - Sonntag

Heute ist Inselhüpfen angesagt - wir wollen nach Split und von dort aus mit den Fähren die 3 Inseln Brac, Hvar und Peljesac/Korcula abfahren, um den Tag am Abend in Dubrovnik zu beenden. In Split angekommen wird erstmal der Durst gestillt, ich besorge uns eine Übersicht der Fähren. Leider bekommt man nur einen kopierten Zettel mit groben Übersichten, also ordnen wir mal die Orte den Inseln zu und versuchen das ganze auf die Reihe zu bekommen. es ist knapp vor 11 und wir versuchen noch die ersten Tickets für die Fähre nach Brac zu ergattern um keine Zeit zu verlieren. Erste Überraschung: Die Fähre von Brac nach Hvar ist nicht für Autos/Motorräder, d.h. wir müssten entweder nach Split retour oder von Sumartin nach Makarska weiter um nach Hvar zu gelangen. Kurze Zeit später sitzen wir in der Sonne auf der Fähre und geniessen die Überfahrt. Einem Tip folgend fahren wir an die andere Inselseite nach Bol, in der Nähe gibt es ein Kloster mit Brauerei namens "Pustinja Blaca". Leider ist der Weg dorthin eine Schotterstrasse und so trinken wir in Bol nur einen Kaffee und begeben uns weiter nach Sumartin um die 15:00 Fähre zu erwischen. In Sumartin angekommen trinken wir brav wieder einen Kaffee und warten auf die Öffnung des Ticketschalters für die Fähre - vergeblich. Nach einigen Diskussionen mit den Einheimischen Insulanern erfahren wir dass gerade am Sonntag die 15:00 Fähre nicht fährt (das waren die beiden Sternchen am Zettel mit dem kroatischen Text den wir nicht verstanden haben), und sitzen bis 18:00 auf dieser Insel fest. Damit haben sich die anderen beiden Inseln erledigt, wir sitzen etwas angesäuert am Strand und beschliessen die Insel halt einfach nochmal abzufahren. Dabei lernen wir einige Schlangen, Geckos, Eidechsen, Eseln und die lokale Pensionistengang bei Praznica kennen. Stunden später konnten wir dann endlich nach Madagaskar - nein - Macarena - auch nicht - Makaken? Nö...Makarska und damit ans Festland fahren. Die Insel hat uns wieder ausgespuckt.
Entlang der Magistrala gehts im Eiltempo Richtung Dubrovnik, es wird später und später...bei Neum staunen nicht schlecht als wir plötzlich vor einem Grenzübergang stehen - tatsächlich wir müssen durch Bosnien-Herzegowina durch - die haben sich dort glatt einen Meerzugang verschafft, auch wenns nur 10 km sind. Aufgrund des fortgeschrittenen Abends und einsetzender Dunkelheit pfeiffen wir auf Dubrovnik und versuchen auf der Insel Peljesac, die per Brücke verbunden ist, ein Quartier zu bekommen. Doch leider, auf der Insel ist tote Hose, bis Oskorusno nichts zu finden. Wir kehren um und nehmen das tuere Quartier in Ston in Anspurch, bekommen sogar noch was zu essen und ausreichend Bier, immerhin ist es ja doch wieder 22:00 geworden.

Was lernen wir daraus?

  1. Besuche nie mit dem Motorrad in der Vorsaison die Inseln, du wirst einen Tag festsitzen.
  2. Halte dich nur in der Nähe von größeren Städten auf wenn du kein fixes Quartier hast und am Abend eines suchst
  3. Koratische Insulaner wissen nicht wann ihre eigenen Fähren gehen, selbst wenn sie direkt daneben wohnen

Fähre Split - Brac

Insel Brac - Supetar

Insel Brac - Bol


Insel Brac - Povlja

Insel Brac - Sumartin


Makarska

Tag 4 - Montag

Am Programm steht die Insel und die Fahrt nach Zadar - noch wissen wir nicht ob wir uns Korcula noch ansehen oder nicht. Erstmal gehts bis nach Orebic bei traumhaftem Wetter - und der Erkenntnis dass wir am Vorabend 2 Stunden sparen hätten können wenn wir bis nach Orebic gefahren wären - hier gibts Hotels und Zimmer ohne Ende. Es keimt berechtigter Ärger in uns, wir wechseln ein paar Euro in Kuna, trinken Kaffee, vergessen die Zeitraubende Fähre nach Korcula (wer weis, vielleicht sitzen wir wieder den ganzen Tag fest?) und steuern über die Magistrale Split an. Mittlerweile haben wir uns an die lokalen Sitten der Motorradfahrer angepasst, Ortstafeln sind kein Grund für abbremsen, es geht im Reisetempo weiter. Die Policija interessiert sich mehr für Autos als für uns und stört sich auch nicht daran als wir einmal im Ort mit über 100 an ihnen vorbeibrausen. Aufgrund des gestrigen Hotelfiaskos beginnen wir heute früher mit der Suche nach einer Unterkunft und finden knapp vor Zadar ein wunderschönes Hotel "Mare Nostrum" mit Blick aufs Meer und gutem Essen.

Fazit des Tages:

  1. Geschwindigkeitsbegrenzungen, Ortstafeln und Sicherheitsbekleidung sind gut - in Kroatien für Biker aber uninteressant. Gefahren wird von den Eingeborenen so schnell es die Strasse zulässt, ohne Helm, Handschuhe und teilweise sogar ohne Taferl
  2. Auf 3 Tage Pech folgt mindestens 1 Tag Glück
  3. Warum in die Ferne schweifen wenn das gute liegt (oder besser: lag) so nah?
  4. Die Magistrale ist eine einspurige Rennstrecke für Biker mit weiten, langgezogenen Kurven. Tempo 130 fast durchgängig ohne Bremsen fahrbar, bis auf einige engere Kurven
  5. Die Kroaten schlafen in ihren Autos, sie fahren nicht. dafür machen sie aber wie niemand anderes den Bikern Platz um sie nicht zu behindern

Insel Peljesac - Orebic

Ston (mit Salzbergwerk)


Meeresblick vom Hotel Mare Nostrum (Nähe Zadar)

Tag 5 - Dienstag

Was passiert bei der folgenden Mischung: Frisch gepatchtes Navi, Garmin Adria Route mit Fehlern und Baustellen in Zadar? Richtig - man biegt laut Navi ab und steht mitten in einer Baustelle, Schotterstrasse, Dead End. Naja, wir habens einigemaßen gut gemeistert und fahren auf die Insel Pag (auf einer Seite mit Brücke verbunden). Das Wetter ist herrlich, jedoch schaut mein Reifen schon etwas benutzt aus, beim Kaffee denken wir laut nach über Reifenwechsel in Rijeka am nächsten Tag. Am Ende der Insel und noch vor Mittag sind wir ind Zigljen und warten auf dei Fähre, die wider Erwarten doch regelmäßig fährt. Dabei lernen wir Karlos kennen - ein Brasilianer der nach Amerika ausgewandert ist und bis vor kurzem in Moskau gearbeitet hat - 5 Jahre lang. Er erzählt uns dass er vorhat nach Barcelona zu fahren und dort ein Geschäft aufzumachen, Moskau reicht ihm. Er ist seit April 2010 unterwegs mit seiner Suzuki Chopper (brav mit Hammer und Sichel am Sitz eingenäht, in rot), und will bis September an den ganzen Küsten bis Spanien fahren. Wer mehr über ihn wissen will - einfach auf Facebook nach Karlos Felizardo suchen (dunkle Haut, Sonnenbrille am Bild) - er stellt regelmäßig Fotos und Videos online über seine Reise. Weiter geht unsere Reise auf der Magistrala bis nach Krk, auf diese Insel gelangen wir über die kostenpflichtige Brücke. Die Insel ist schnell durchquert und wir versuchen in Valbiska rauszufinden ob sich eine Überfahrt auf Cres lohnt - einerseits wegen der Fähren und andererseits wegen Hotel. Einen Anruf später haben wir 3 Zimmer im Hotel Kimen auf Cres und die durchaus günstig fallenden Zeiten der Fähren. Ab auf die Insel!
Das Hotel Kimen in Cres wirkt einladend, 2 Stern Zimmer um 32 € - 3 Stern um 56. Wir entscheiden uns für die billigere Variante, für eine Nacht reichts. Das Essen ist allerdings etwas fad und ungewürzt dort. Leider schliessen wie alle Lokale in Kroatien auch diese Bar um 23:00 - die Zeit davor verkürzt (oder verlängert?) der langsame Kellner der sich selbst "Flash Gordon" nennt (ok die ersten Biere kamen fix, nach einer halben Stunde warten auf Godot - ähm, den Kellner selbst) - und einem Duo dass mit Akustik Gitarre Songs spielte. Naja - einerseits zu langsam, andererseits können die nicht gut Englisch. Black Velvet, Everybody Hurts, Patience, Help und andere Songs ziehen sich dadurch wie ein Strudelteig, den Piefkes rund um uns gefiels.

Fähre nach Cres

Tag 6 - Mittwoch

Wir erkunden Cres und fahren runter bis Mali Losinj bzw. Veli Losinj. Manfred und Thomas haben mich auf der Schaufel weil ich dachte ein "Steinboot" gesehen zu haben - in Wirklichkeit war die Farbe nur runter und der Rest des grauen Plastiks sah aus der Ferne eben wie ein Stein aus (Foto siehe unten). Nachdem das geklärt war fahren wir zurück und wollten die Ortschaft Nerezine besichtigen, da noch genug Zeit war bis zur Fähre um 15:00 - die um 13:00 ging sich eh nicht mehr aus. Tja - trotzdem der Ort mit einer 10m Tafel an der Strasse mit Panorama Foto vom Meer aus warb, eine herbe Enttäuschung. Nicht weil es nicht schön gewesen sein hätte können - nein, die Fahrt zum Dorf war eine Suchaktion und shcliesslich durften nur Einheimische bis auf die Strandpromenade fahren. Wir haben den Fußmarsch von einem halben Kilometer nicht auf uns genommen und sind weiter gefahren.
Nun folgt die Fährengeschichte Teil 2: Die Fähre um 15:00 war falsch auf Krk ausgeschrieben und ging doch erst um 16:00. 1 Stunde warten - wir waren sauer. Dadurch entschieden wir, die Halbinsel Istrien auszulassen und irgendwannmal nachzuholen. So furhen wi in Richtung Rijeka auf der Küstenstrasse entlang - Opatija und Rijeka sind verkehrstechnisch ein Graus, nur Verkehr und keine Chance auf weiterkommen. Kurzerhand lassen wir uns doch vom Navi eine schnelle Route nach Ljubljana berechnen, genauer gesagt Trojane. Was wir nicht sofort wussten: Der Ort liegt 40 km ausserhalb von Ljubljana auf einem Berg.
Das Hotel Trojane ist ein umgebauter, großer Stall, nett eingerichtet. Aber: kein Restaurant, kein Rauchen drinnen, und wie überall: 11 ist Sperrstunde. Durch den Fährenzeitverzug und die Suche rund um Ljubljana sind wir wieder mal um ca. 22:00 im Hotel und bekommen grade noch so etwas zu Essen und 2-3 Biere. Hinweis: Lasko ist (k)ein Bier...

Das vermeintliche "Steinboot"

Tag 7- Donnerstag

Mein Reifen hat nur mehr am Rand Profil, in der Mitte schon etwas flach, mit marginalen Spuren eines ehemalig existierenden Profils. Trotzdem sollte er bis nach Hause halten. Von Trojane gehts bis fast nach Kranj und dann über den Seebergsattel zurück ins gelobte Land - Österreich. Weiter über Bad Eisenkappel, Bleiburg, Lavamünd, Wolfsberg, Pack, Gaberl Richtung Triebener Tauern. Das Wetterloch Hieflau dürfte bis dorthin reichen, am Tauern fing es ins Regnen an, und wir fuhren zumindest mit Regenjacke bis Hieflau.

Seebergstüberl am Seebergsattel (Karawanken - nicht der bei Mariazell)

Tag 8 - Freitag

Der Regen hat sich über Nacht verzogen, es ist trocken (zumindest von oben) und fast sonnig. Leider zeigt ein Blick auf meinen Reifen dass dieser schon etwas mehr beleidigt ist und das Gewebe schon leicht sichtbar wird. Im Bummelzug Tempo gehts über die Wildalpen Richtung Mariazell - in Gußwerk trenne ich mich von Manfred und Thomas aufgrund meines Reifens und Fahre über die S6 und A2 nach Wien zurück

Die Chronologie (m)eines Reifens

Eckdaten der Tour

Dauer
8 Tage
Kilometer
3486
bereiste Länder
4
Grenzübertritte
11
Reifenverschleiss

Hinterreifen

Gute Frühstücke
2, in Kroatien und Slowenien sind Kaffee, Eier und Wurst, sowie Marmelade zu vergessen!
Piefke
viel zu viele!!!
Rennleitungssichtungen
5, tun aber keinem was
Strafmandate
hoffentlich keines